Klimawandel hat Einfluss auf die Lebensgemeinschaften in den Flüssen von NRW
Der Klimawandel wird dazu führen, dass die sommerlichen und winterlichen Lufttemperaturen zunehmen werden. Da die Wassertemperaturen in den Fließgewässern an die Lufttemperaturen gekoppelt sind, werden auch diese steigen.
dynaklim hat vor dem Hintergrund der ökologischen Zustandserfassung von Fließgewässern untersucht, wie sich der Klimawandel auf die Lebensgemeinschaften in den großen Flüssen von NRW auswirkt. Als Untersuchungsgewässer wurde die auf größeren Teilstrecken thermisch veränderte Lippe gewählt, um deren Lebensgemeinschaften mit denen der Ems und der Ruhr zu vergleichen.
Das Ergebnis zeigt, dass durch den Klimawandel zunehmend Tiere in die Gewässer einwandern, die aus wärmeren Regionen stammen, z.B. aus dem Schwarzmeerbereich. Die Zusammensetzung der Lebensgemeinschaften in den großen Flüssen wird sich absehbar durch den Klimawandel deutlich verändern.
Aktuelle Bewertungssysteme liefern nicht mehr gesicherte Ergebnisse
Die europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass bis zum Jahr 2015 in allen Fließgewässern Lebensgemeinschaften vorhanden sein sollen, die weitestgehend natürlichen oder zumindest naturnahen Bedingungen entsprechen. Diese Lebensgemeinschaften spiegeln die Summe ihrer Lebensbedingungen, gemessen an den Komponenten Gewässerstruktur- und der Wasserqualität, wider und werden deswegen zur wasserwirtschaftlichen Bewertung genutzt. In der Untersuchung wurde gezeigt, dass biologische Messgrößen, die aktuell zur Bewertung der Lebensgemeinschaften in den großen Flüssen genutzt werden, negativ auf eine Temperaturzunahme reagieren; d. h. bei gleichbleibenden Bedingungen in der Gewässerstrukturgüte und Wasserqualität, aber zunehmender Wassertemperatur, wird die biologische Bewertung schlechter.
Der Klimawandel führt also auch dazu, dass die aktuellen Bewertungssysteme unter dem Aspekt des Klimawandels nicht mehr gesicherte Ergebnisse liefern.
Veränderte Lebensgemeinschaften
Die Auswertung der von Lippeverband und weiteren erhobenen Langzeitdatenreihen, hat auch gezeigt, dass die Häufigkeiten von sogenannten wärmeliebenden Neozoen („neu eingewanderte Tiere“) eine durch erhöhte Temperaturen veränderte Lebensgemeinschaft klar identifizieren kann. Dieser biologische Indikator ist geeignet, den Klimawandel in den großen Flüssen von NRW zu beschreiben und auf nicht gesicherte Ergebnisse der bisherigen Bewertungssysteme hinzuweisen.
Wasserwirtschaftlich bedeutsam ist dabei, dass durch die neuartige Indikation der klimabedingten Störungen der Flusslebensgemeinschaften vermieden werden kann, nicht zielführende Investitionen zur vermeintlichen ökologischen Verbesserung bei den relevanten Gewässern durchzuführen. Vielmehr gilt es, die heimische Flusslebenswelt vor allem durch Maßnahmen zur Gewässerstrukturverbesserung zu stärken.
Weitere Information erhalten Sie in der rechts aufgeführten Publikation.
Dynamische Anpassung an die Auswirkungen des Klimawandels in der Emscher-Lippe-Region (Ruhrgebiet)
